3. Kompanie

Der 3. Kompanie wurde der Nordwesten der Stadt zugeteilt, sie war demnach für den Bereich der Stiftshofe zuständig. Andrerseits vertritt sie nach der Wiedergründung 1950 die Tradition der einstigen "Maschinenwerkstatt-Kompanie" im Handwerker-Schützenverein, die vor allem an der Beckumer Straße beheimatet war. Wegen der starken Fluktuation im Gastgewerbe hat sie zur Zeit kein Kompanielokal in ihrem angestammten Bezirk, sondern tritt im "Goldenen Hahn" an. Ihre Kompanieblume ist die weiße Nelke.

Offiziere der dritten Kompanie

Hauptmann:
Dr.Forusan Madjlessi
Oberleutnant: Reinhold Glatzer
Leutnant: Patrik Stengel
Karl Wilhelm Heinze
Detlef Heinrichsmeier



Chronik

Offiziere der dritten Kompanie im Jubiläumsjahr

3. Kompanie
Hauptmann:
Klaus Fürstenberg
Oberleutnant: Jochen Wördehoff
Leutnant: Detlef Heinrichsmeier
Michael Maas
Andreas Weigelt


V. l.: Lt. Michael Maas, Olt. Jochen Wördehoff, Hptm. Klaus Fürstenberg, Lt. Andreas Weigelt, Lt. Detlef Heinrichsmeier












Hauptleute und Oberleutnante seit 1950

Hauptleute   Oberleutnante  
Anton Blömeke 1950 - 1956 Otto Schnieder 1950
    Hans Scheffel 1951
    Bernhard Ostermann 1952 - 1954
Bernhard Ostermann 1957 - 1964 Hans Löscher 1955 - 1964
Hans Löscher 1965 - 1968 Erich Israel 1965 - 1968
Erich Israel 1969 - 1977 Werner Großevollmer 1969 - 1972
    Hans Christopherie 1973 - 1975
    Franz-Josef Fürstenberg 1976 - 1977
Franz Josef Fürstenberg 1978 - 1988 Werner Großevollmer 1978 - 1983
    Ferdi Wördehoff 1984 - 1988
Ferdi Wördehoff 1989 - 1992 Dr. Heiner Bergschneider 1989 - 1990
    Wilfried Weddemann 1991 - 1992
Dr. Heiner Bergschneider 1993 - 2001 Klaus Fürstenberg 1993 - 1998
    Forusan Madjlessi 1999 - 2000
Klaus Fürstenberg 2002 - 2007 Jochen Wördehoff 2001 - 2007
Wilfried Weddemann 2008 Reinhold Glatzer seit 2008
Dr. Forusan Madjlessi 2009    


Anton Blömeke
Anton Blömeke war bereits von 1937 bis 1939 Kompaniechef und konnte die dritte Kompanie 1950 gleich weiterführen. Die älteren Mitglieder des Lippstädter Schützenvereins können sich noch an den kleinen sympathischen Hauptmann mit dem lustigen Schnauzbart erinnern.


Hauptmann Hü läßt antreten

Hauptmann Hü läßt antreten
Bernhard Ostermann
Bernhard Ostermann, genannt Hauptmann Hü, übernahm 1955 von Anton Blömeke die 3. Kompanie. Er betrieb ein Fuhrgeschäft an der Ecke Lippestraße - Bruchbäumerweg. Der schwarze Leichenwagen wurde in den 50er Jahren noch mit Pferdegespann durch die Stadt zum Friedhof gefahren. Daher rührte der Spitzname Hü.

Zu seiner Zeit traf man sich regelmäßig und gern zur Meisterstunde im Kompanielokal "Daakener Hof" (heute Beckumer 2). Alte Strategen aus vielen Kompaniebereichen, wie Schnieders Otto, Bals Konrad, Karl Braun, Franz Epping, Knoops Karl, Walter Wedewer, Lutz Stube, Heini Gockel und Pente Schmidthuber hatten dort beim Würfelspiel viel Spaß. 1959 wählte sich Franz Epping das Töchterchen des Hauses, Daaken Anneliese, zur Königin. Die Stammtischrunden zeichneten sich dadurch aus, dass die nächste Generation, die damals 30-40jährigen, sich in diese geselligen Runden einfügten.

Hauptmann Hü Ostermann hatte noch einen alten Möbelwagen. Den zogen an einem Biergerichts- Dienstag Schützen vom Festplatz in die Stadt. Der Inhalt war der gesamte derzeitige Thron.

Bernhard Ostermann führte die Kompanie bis zum Jahre 1964. In dieser Zeit gab es keinen König aus der 3. Kompanie. Unter Hauptmann Hans Löscher, Zimmermeister, der 1965 die Kompanieführung übernahm, holte Bernhard Ostermann 1966 den letzten Rest von der Stange. Zur Königin erwählte er Bärbel Ostermann, das Töchterchen seines Bruders, Bäckermeister Anton Ostermann. Wegen des tragischen Todes seiner Frau wenige Wochen nach der Krönung konnte Bernhard Ostermann sein Königsjahr nicht weiterführen, er wurde von Wilhelm Andrae vertreten. Später heiratete er Hedwig Henke, die den "Goldenen Hahn" führte.







Hauptmann Hans Löscher
Hans Löscher
Hans Löscher führte einen Zimmereibetrieb Ecke Bruchbäumerweg - Barbarossastraße. Außerdem hatte er einen Zeltverleih und baute natürlich das Festzelt zum Schützenfest auf. Er kam von der Fahne.

Hans Löscher war während der Hauptmannszeit von Bernhard Ostermann Oberleutnant der 3. Kompanie. Vom ersten Hauptmannsjahr 1965 an fanden unter seiner Regie die jährlich wiederkehrenden Klausur-Tagungen in Ferdi Wördehoffs Hütte in Rüthen statt. Bei frisch gezapftem Bier und einem zünftigen Essen wurden dort am Kamin die Aktivitäten der 3. Kompanie für die anstehende Saison geplant. Diese Tradition wird von allen nachfolgenden Hauptleuten bis zur Stunde gepflegt.

Es gibt da aus seiner Zeit eine lustige Geschichte: Hans Löscher war mit einem Leutnant unterwegs, um Preise für die Winterball-Tombola zu sammeln. Karl Braun hatte seine KFZ-Werkstatt damals noch auf der Beckumer Straße. Er war sehr großzügig und gab den beiden vielerlei Kleinteile, wie Auto-Politur, Putztücher usw. Da kam zufällig die Chefin des Hauses dazu und nahm den Schützen alles wieder weg.
Das war wohl ein kleiner Racheakt, die allabendlichen Gelage im Daakener Hof waren ihr ein Dorn im Auge. Beim darauf folgenden Sommerfest wurde dann eine Rache an Karl Braun ausgeübt. Hauptmann Hans Löscher hatte sich Handschellen besorgt und mit ihnen Brauns Karl mit Pente Schmidthuber zusammengeschlosssen. Was hatte das Schützenvölkchen doch einen Spaß, als Hans Löscher mit den beiden im offenen Kofferraum seines Autos eine Ehrenrunde über die Festwiese drehte. Bei jedem Huppel mussten sie sich mit den Armen vor dem wippenden Deckel schützen, und wenn sie sich nicht einig waren, kriegten sie eins auf den Kopf. Die beiden mussten dann noch einige Stunden gemeinsam das Bierglas heben und sich zwischendurch in den Saal des "schwarzen Marmors" zum gemeinsamen Pinkeln begeben. Der kleine Musikant "Kuntzen Willi" spielte Akkordeon dazu und sang "Wenn der Puls von Frau Schulz nicht mehr schlägt". Und Pente schlug die Pauke.

Hans Löscher führte die Kompanie bis 1968 und übergab das Amt an seinen Oberleutnant Erich Israel.




Hauptmann Erich Israel

Auf dem Trödelmarkt hatte man einen alten Offiziersmantel erstanden.
Er wurde am Montagmorgen am Kompanielokal Hauck Hauptmann Israel
angezogen. Erich Israel machte damit seine letzte Parade als Hauptmann.

Erich Israel
Erich Israel übernahm 1969 die Führung der 3. Kompanie und lenkte ihre Geschicke bis zum Jahre 1977. Die Pächter des Kompanielokals wurden öfters gewechselt. Erich Israels erste Amtshandlung war deshalb die Verlagerung des Kompanielokals in die Gaststätte Hauck an der Beckumer Straße. Die Kompaniemutter Elli konnte das Antreten vom Fenster ihres Hauses genießen. Die Stammtische tagten inzwischen in anderen bekannten Innenstadtkneipen. Es waren dies: Landgräber bei Mathilde, Goldener Hahn, Bodega bei Willi und Maria, Lippischer Hof und Sandbote bei Luise und Gisela.

Die 3. Kompanie pflegte unter Erich Israel eine lebhafte Patenschaft mit der Luftlande- Sanitätskompanie. An den Schützenfestmontagen führten Hauptmann Dieter Schneider und Spieß Dieter Krämer stets eine zackige Abordnung zum Antreten.

Es fanden 3-4 mal im Jahr Kegelabende im Uffz.-Heim statt. Hier gewannen immer die Schützen. Anders bei den Fußballspielen, hier waren die Soldaten einfach durchtrainierter. Auch beim Schießen waren die Soldaten besser. Sehr erlebnisreich war das Schießen in Ehringhausen mit den Waffen der Soldaten. Den Einladungen zum Biwak in die Kaserne Lipperbruch wurde gerne gefolgt, und beim Manöver mussten die Schützen während der Flüge mit der Transall die Fallschirme anlegen, aber zu springen war natürlich nicht gestattet. Die Truppe wurde in den 80 er Jahren nach und nach zu anderen Einheiten verlegt. Sie wurde von der 3. Kompanie entsprechend verabschiedet. Oberleutnant in den Jahren waren Hans Christopherie, Franz Josef Fürstenberg und Heinz Herting.

Nach seiner aktiven Hauptmannszeit übernahm Erich Israel die Aufgabe des Schriftführers als Hauptmann beim Stabe. Im Jahr 2006 wurde Erich Israel für 75 Jahre Mitgliedschaft im Lippstädter Schützenverein geehrt.


Fips Brenneke und Diedrich Mattenklott, der neue und der alte Oberst

Fips Brenneke und Diedrich Mattenklott, der neue und der
alte Oberst

Franz Josef Fürstenberg
Nach seinem Königsjahr verzichtete Franz Josef Fürstenberg auf das obligatorische Jahr als Leutnant beim Stabe und übernahm von seinem Vorgänger Erich Israel sofort die Leitung der Kompanie.
Am Anfang seiner Amtszeit betätigten sich die Leiter der dritten Kompanie als "Oberstmacher". Diedrich Mattenklott hatte noch die Jubiläumsveranstaltung des Vereins organisiert und wollte nach dem Höhepunkt seiner Laufbahn zurücktreten. Er überließ den Deputierten die Suche nach einem Nachfolger. Ein Kandidat war weit und breit nicht in Sicht. Der Deputierte der dritten Kompanie, Ferdi Wördehoff, rief Hauptmann Fürstenberg ins Kompaniebüro, den Weinkeller von Oberleutnant Großevollmer. "Jungs, heute Abend ist Deputiertensitzung. Wir müssen was unternehmen." - "Lasst uns doch mal zu Fips Brennecke fahren," schlug Werner vor. Gesagt, getan. Man klingelte, Fips machte auf.
"Was wollt ihr denn hier?"
"Du wirst heute Abend unser neuer Oberst!"
"Ihr habt wohl Tinte gesoffen."
Drei Stunden redeten die Oberstmacher mit Engelszungen auf ihn ein, ohne Wirkung zu erzielen. Um 15.00 Uhr musste Fips dringend in den Laden. Die drei versprachen, in einer Stunde wiederzukommen. Bei Hinausgehen meinten sie bei Frau Marlies eine positive Neigung zu sehen. Um 16.00 Uhr gings weiter, um 17.00 Uhr hatten sie ihn weich geredet. Friedhelm: „Ich gehe aber erst noch mal zu Diedrich Mattenklott, was der davon hält."

Hauptmann Fürstenberg mit Enkel Jan Frederik

Hauptmann Fürstenberg mit Enkel
Jan Frederik

Nach einer halben Stunde kam er zurück: „Ich mach's nicht." Diedrich Mattenklott habe ihm gesagt: „Herr Brennecke, das würde ich mir aber sehr überlegen." Die drei wurden ärgerlich, es fielen harte Worte, und dann kam das stärkste Argument auf den Tisch: „Jetzt muss endlich mal ein Katholik einen Bunkensohn ablösen!"
Gegen 19.00 Uhr gab Friedhelm den dreien die Hand, um 20.00 Uhr begann in Drei Kronen die Deputiertensitzung, auf der Friedhelm Brennecke zum Oberst gewählt wurde.

Das alte Kompanielokal litt unter häufigem Pächterwechsel, so dass Franz Josef sich für den Lippischen Hof entschied, wo Ferdi Kroos ein zünftiges Pils zapfte. Vor dem Stadttheater fand die Kompanie einen hervorragenden Antreteplatz.
Die Begegnungen mit den Soldaten in Lipperbruch wurden aktiviert. Es gab Kegelabende (hier gewannen immer die Schützen), Fußballspiele (die Soldaten hatten stets die bessere Kondition) und Wettschießen (dabei gewannen auch die Soldaten). Erlebnisreich war das Schießen mit schweren Waffen der Bundeswehr in Ehringhausen, die Biwaks in der Kaserne und die Flüge mit der Transall.
In Frannos Zeit und in den Jahren danach wuchs die dritte Kompanie zur mitgliederstärksten des Vereins.












Hauptmann Ferdi WördehoffFerdi Wördehoff
Ferdi setzte die erfolgreiche Mitgliederwerbung fort, die Anzahl der Jungschützen war bald so groß, dass in Lippstadt keine grünen Röcke mehr zu haben waren. Die dritte Kompanie richtete eine eigene Kleiderkammer ein. Unter Ferdi Wördehoff wurden die Ysselmeer- Fahrten zu einem festen Bestandteil der Jahresprogramme der dritten Kompanie. Er selbst organisierte jedes Jahr die Fahrten mit den Großseglern und betätigte sich auf dem Schiff als Chef-Smutje. Und wieder schrieb Hauptmann Ferdi Wördehoff Vereinsgeschichte: Im Jahre 1990 wurde Hubertus Linhoff als neuer Oberst und Nachfolger von Friedhelm Brennecke in Ferdis Rüthener Hütte weich geredet.


















Hauptmann Dr. Heiner BergschneiderDr. Heiner Bergschneider
In den ersten Jahren seiner Amtszeit wurde der Lippische Hof umgebaut, den neuen Wirtsleuten passte ein Kompanielokal nicht ins Konzept. Da zur gleichen Zeit das Alte Brauhaus renoviert wurde, entschloss man sich, nach dorthin umzusiedeln. Unter Heiner Bergschneider, selbst König des Jahres 1990, wurde die dritte Kompanie zu einer Königskompanie: 1995 Ralf Stotz, 1998 Jochen Wördehoff, 2000 Oberleutnant Klaus Fürstenberg (zugleich 25jähriges Jubelfest von Franz Josef Fürstenberg), 2001 Dr. Wolfgang Rieffel.
















Aktivitäten und Ereignisse

Ysselmeer-Fahrten

Ysselmeer-FahrtenIm Frühjahr stellte der damalige König Günter Papenbreer dem Hofstaat den Plan vor, einen Ausflug mit einem großen Segelschiff zu machen. Man war begeistert, vor allem die Damen. Das Schiff, die Citore, lag in Staveren, von wo aus mehrere Orte am Ysselmeer angefahren wurden. Das Unternehmen war ein voller Erfolg, nicht zuletzt dank der Prinzen Ferdi Wördehoff und Kalli Göbel und Thronoffiziers Willi Berghoff, die die Smutjerolle übernahmen. Im folgenden Jahr wurde Franz Josef Fürstenberg König und Werner Großevollmer sein Adjutant. Thronoffizier Ferdi Wördehoff organisierte mit seiner Erfahrung die gleiche Fahrt wie im Vorjahr. Diesmal fuhr man vom Ysselmeer auf das Wattenmeer hinaus zu den vorgelagerten Inseln Texel und Terschelling. Seitdem wurde die Tour alljährlich wiederholt, mit wechselnden Gruppen aus allen Kompanien. Die Boote wurden von Jahr zu Jahr komfortabler.

Anfang Mai 1991, im Königsjahr von Heiner Bergschneider, startete eine Mannschaft der 3. Kompanie, insgesamt waren 30 Mann an Bord. Ab dann wurden die Fahrten zu einem festen Bestandteil des Jahresprogramms der 3. Kompanie. Höhepunkte jeder Fahrt waren immer Neptuns Taufe der Neulinge. Karl Braun und Wolfgang Rieffel hatten einen schier unerschöpflichen Vorrat an Einfällen. Die Täuflinge standen halbnackt an den Mast gefesselt, mussten widerliche Mixturen hinunterwürgen, wurden bemalt, eimerweise mit Wasser übergossen, wenn sie nicht direkt in das kalte Nordseewasser getaucht wurden.



Ostendorfschüler wird für Schützenfest vom Unterricht befreit

Am Tag der Vogeltaufe und des Vorexerzierens 1993 war dem Hauptmann der 3. Kompanie, Ferdi Wördehoff, ein besonders motivierter Jungschütze ins Auge gefallen. Ermahnt, an den drei Schützentagen stets pünktlich zu erscheinen, musste der Neuling gestehen: "Am Montag kann ich nicht, da haben wir Schule." Der Hauptmann gab seinen Offizieren daraufhin den Befehl, dafür Sorge zu tragen, dass der hoffnungserweckende Nachwuchs der Kompanie am Montag zur Stelle sei.

Mit Datum vom 27. Juni 1993 erging folgendes, nach der Schrift zu urteilen zu später Stunde verfasstes Schreiben der 3. Kompanie an das Ostendorf-Gymnasium, z. Hd. des Ordinarius der Klasse 9 a.

Betr.: Freistellung des Schülers Jörg Ferkinghoff von schulischen Veranstaltungen am Montag, den 5. Juli 1993

Sehr geehrter Herr Oberstudienrat [XY],!
Glaube, Sitte, Heimat sind bekanntlich die Grundwerte angebunden in die Tradition des Lippstädter Schützenverein.
Der Schützenbruder Jörg Ferkinghoff bekennt sich vehement zu diesen Prinzipien. Als fanatischer Schütze wird er nicht in der Lage sein, den Anforderungen des Schulunterrichts an diesem Schützenfestmontag nachzukommen.
Ausserdem ist er für seine III. Kompanie unverzichtbar, da er eine tragende Säule im
Bereich des Jungschützenwesens darstellt.
Als Vorsitzender des Heimatvereins und Schützenbruder des Lippstädter Schützenvereins haben Sie reichlich Verständnis, Jörg hiermit für sein Fehlen am Montag, 5. Juli 1993 zu entschuldigen.
[gez.] Heiner Bergschneider
Oberleutnant
[gez.] Klaus Fürstenberg
Leutnant

Zwei Tage später traf in der Zahnarztpraxis Bergschneider per Boten die Antwort ein:

Sehr geehrter Herr Oberleutnant Bergschneider,
sehr geehrter Herr Leutnant Fürstenberg,

soeben erhalte ich Ihr Schreiben vom 27. curr., in dem Sie mich, falls ich es richtig deute, in Vertretung des Kompanieführers darum ersuchen, den Schüler Jörg Ferkinghoff für einen Tag vom Unterrichtsbesuch zu dispensieren.
Wie Sie vielleicht nicht wissen, sind gerade die letzten Unterrichtsstunden eines Schuljahres für die Schüler von großer Wichtigkeit, wird in ihnen doch das Resumee aus zwei Semestern gezogen, sozusagen die Ernte zwölfmonatigen Wachstums in die Scheuern gefahren, - und es wäre eine Ungerechtigkeit gegenüber dem Schüler Ferkinghoff, ihm dieses vorzuenthalten. Außerdem kann auch ich nicht anders, als den o. g. Schüler für eine Säule der Klasse 9 a und seine Anwesenheit für unverzichtbar zu erklären.

Nun haben Sie mich als Vorsitzenden des Heimatbundes gewissermaßen ans Portepee gefasst und an gemeinsame Ideale erinnert. Ich will gern bekennen, dass ich Ihre Arbeit an der Jugend sehr schätze und mich Ihnen als pädagogischen Kollegen verbunden fühle.
So glaube ich denn guten Gewissens zu handeln, wenn ich die strengen Vorschriften milde auslege und den gewünschten Dispens erteile. Ich überlasse hiermit am Schützenfestmontag den genannten Schüler Ihrer Obhut und der Ihrer aufrechten Offiziere.

Hochachtungsvoll [gez.] [XY]



Bernhard - Ostermann - Pokal

Bernhard - Ostermann - PokalIm Jahre 1967, seinem Königsjahr, stiftete Bernhard Ostermann der 3. Kompanie einen Wanderpokal. Dieser Pokal wird bis heute unter wechselnden und unterschiedlichen Schießbedingungen und -sportarten jedes Jahr ausgeschossen. Auf dem Schützenplatz organisieren die der Kompanie angehörenden Schießhauptleute und Schießobmänner des Schießvereins Centrum die Veranstaltung. Bei der Bundeswehr, den Soldaten der Luftlande-Sanitätskompanie, wurde der Wettbewerb mit dem Maschinengewehr der Soldaten ausgetragen. Beim Schleusenwirt wurde liegend mit dem Luftgewehr, bei den Sportschützen in Overhagen mit Pfeil und Bogen geschossen. Besonders reizvoll war auch das jagdliche Schießen in Öchtringhausen.










Noch eine Geschichte: Offiziersdegen gestohlen!

Hauptmann Klaus Fürstenber, mit Degen

Hauptmann Klaus Fürstenberg, mit Degen
Wenn der gemeine Schütze nach Umzug und Parademarsch endlich den Festplatz erreicht hat und sich nach nichts mehr sehnt, als im Kreis seiner Schützenbrüder einige Bierchen zu zischen und entspannt und zwanglos ein paar schöne Stunden zu verbringen, so erweist sich ein Teil seiner Schützenausrüstung als sehr lästig. Vor allem das sperrige Gewehr ist beim Entgegennehmen der schnellen Runden sehr hinderlich und stört erst recht, wenn man sich auch noch der einen oder anderen Dame zärtlich nähern möchte. So ist die Versuchung groß, sein hölzernes Gewaff am nächstbesten Baum oder Klappstuhl abzustellen, - ein häufig folgenschwerer Fehler. Denn allerlei Strolche und "wehrlose" Schützen streifen umher und suchen, was sie entwenden könnten.

Die kostbaren Offiziersdegen reizen die diebischen Spaßmacher natürlich noch unvergleichlich mehr. Trotz jährlich immer wiederkehrender ernster Ermahnungen seitens des Majors sind auch manche Offiziere so leichtsinnig und pflichtvergessen, ihre Degen achtlos irgendwo abzulegen. Das gibt dann oft ein böses Erwachen, und der Bestohlene kann die Festtage über suchen und fragen und das ganze Jahr über jammern: "Wo ist mein Degen? Wer hat meinen Degen gesehen?", - es hilft ihm nichts. Wenn er Glück hat, taucht der Degen erst kurz vor dem Schützenfest ganz plötzlich wieder auf, und die Kompaniekasse erfährt je nach Rang des Offiziers eine Bereicherung.

Offensichtlich unachtsam war am Montagabend des Schützenfestes 2005 auch der junge Hauptmann Klaus Fürstenberg gewesen. Sein Degen war jedenfalls verschwunden. Ein unauffälliges Absuchen des Platzes nach dem Großebohnenessen brachte kein Ergebnis, und fragen mochte er nicht, da er weder wusste, wo er das gute Stück abgelegt hatte, noch sich überhaupt erinnerte, wie er nach Hause gekommen war. Irgendwer aus der Kompanie wird schon im Laufe des Jahres damit herausrücken, tröstete er sich. Dann bezahle ich eben die paar Euro Buße. Aber bis zum Winterball und bis Ostern tat sich nichts. Ob der Dieb den Degen auf Dauer behalten wollte? Als er wenige Wochen vor dem Schützenfest und auch beim Vorexerzieren noch nicht aufgetaucht war, wurde es Hauptmann Klaus doch mulmig zumute. In seiner Not lieh er sich von einem befreundeten Offizier des Nördlichen Schützenbundes einen Krummsäbel und ahnte bereits das Gelächter der anderen und die saftige Strafe des Biergerichtes.

Zwei Tage vor dem Fest fragte ihn sein Schwiegervater Gerd Bärtschi: "Sag mal, willst du nicht langsam mal deinen Degen bei mir abholen?"
- "Was? Du? Wie kommst du denn an meinen Degen?"
"Den hast du mir doch selbst Montagabend in Obhut gegeben!"